Zurück zur alten Liebe
Jörg
Andres führt nach der Bundeswehrzeit die Schreinerei
seines
Lehrmeisters weiter
"Mach, was
du denkst, und das möglichst gut!", lautet die Devise
von Jörg Andres. Damit ist er als Soldat auf Zeit gut gefahren
und er baut darauf auch in seiner noch jungen Selbstständigkeit
als Tischlermeister.
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| Nach zwölf
Jahren Bundeswehr hat Jörg Andres seinen Traum vom eigenen
Betrieb verwirklicht. Als Ziel für seine Schreinerei
nennt er die Aufarbeitung alter Treppen, Türen und Fenster. |
Eine Reihe von
guten Gedanken hat der 33-Jährige aus Beulich/Hunsrück
beruflich in die Tat umgesetzt. Nach der Schreinerlehre bei Erich
Lamberti in seinem Heimatort und ersten Gesellenjahren dort, stand
für ihn ein beruflicher Wechsel auf dem Plan. Eine neue Stelle
in seinem Handwerk hätte er aber nur mit geleistetem Wehrdienst
bekommen. Wenn schon Bundeswehr, dann richtig: Im Januar 1989
begann Andres zunächst als "SaZ 4" im Fernmelde-Bataillon
Koblenz.

Nach der Grundausbildung motivierten
ihn seine Vorgesetzten zur Unteroffizier-Laufbahn. Jörg Andres
besuchte kaufmännische Lehrgänge und übte ab dem
zweiten Dienstjahr Verwaltungstätigkeiten aus. Im Zuge der
Fachausbildung belegte er über den Berufsförderungsdienst
der Bundeswehr (BFD)
bei der Handwerkskammer den Lehrgang "Koordinator für
Bürokommunikation", verpflichtete sich auf zwölf
Jahre und hatte - wie viele seiner Kameraden - eine spätere
Beschäftigung im öffentlichen Dienst im Blick.
Hobby und Beruf
Die Arbeitszeiten ließen ihm
Raum für seine "alte Liebe" zum Holz. Er begann
sein altes Fachwerkhaus in Beulich grundlegend zu renovieren und
auszubauen, sammelte dabei über die Schreinerarbeiten hinaus
wichtige Erfahrungen. Über all die Jahre pflegte er den Kontakt
zu seinem Lehrmeister und konnte dessen Werkstatt in seiner Freizeit
nutzen.

In den letzten beiden Dienstjahren
bei der Bundeswehr stand die Qualifizierung für das zivile
Erwerbsleben "danach" an. Das Interesse am öffentlichen
Dienst und die Möglichkeiten darin waren geschwunden und
als angestellter Schreinergeselle wollte Andres nicht arbeiten
- der Verdienst wäre im Vergleich zum Sold zu gering gewesen.
Nach der Beratung durch den BFD begann er deshalb eine Ausbildung
zum Groß- und Außenhandelskaufmann in einem Betrieb,
der ihm eine spätere Übernahme in Aussicht stellte.
In die Selbstständigkeit
Als Tischlermeister Erich Lamberti
nach einem Schlaganfall seinen Beruf aufgeben musste, bot er dem
ausscheidenden Zeitsoldaten seinen Betrieb zur Pacht an. Dafür
fehlte ihm aber der "Meister". Nach einem ersten "geht
nicht" wegen der laufenden Ausbildung im Betrieb und einem
anschließenden Gespräch mit Hans-Joachim Benner vom
Beratungszentrum
Bundeswehr-Handwerk bei der HwK Koblenz - selbst Oberstleutnant
der Reserve - belegte Jörg Andres den Meisterkurs zunächst
in Teilzeit. Nach bestandener Kaufmannsprüfung folgten die
Fachkurse zur Meisterprüfung in Vollzeit.

Der Weg zur Selbstständigkeit
im Handwerk war für den Jungmeister geebnet. Mit Michael
Fuhr von der HwK-Betriebsberatung
analysierte er die Markt- und Standortsituation, mit HwK-Jurist
Dieter Ehrmann besprach er die Rechtsform des Betriebes. Mit den
Werkstatträumen und Maschinen seines früheren Lehrherrn
- ergänzt durch eine neu erworbene Großsäge -
startete Andres im Frühsommer 2001 seine Schreinerei.

"Während der kaufmännischen
Ausbildung und Prüfung und der Meistervorbereitung hatte
ich überhaupt keine Zeit, mir Gedanken über diesen Druck
zu machen. Ich bin da durchmarschiert", beschreibt der Jungunternehmer
seinen Werdegang. "Die Anlaufphase für meine Schreinerei
ist auch eine harte Zeit, aber obwohl ich jetzt mehr arbeite,
habe ich auch mehr Freizeit."

Während der ersten beiden Jahre
sichern ihm die Übergangsgebühren der Bundeswehr den
Lebensunterhalt. Den Ertrag, den die Werkstatt abwirft, kann er
wieder investieren. Die ersten Monate sind gut angelaufen, und
Jörg Andres sagt, dass er den Schritt in die Selbstständigkeit
wieder gehen würde.

"Alles, was aus Holz ist",
zählt er zu seinem Betätigungsfeld. Er übernimmt
Aufträge zum Einbau von Vollholzparkett genauso wie von Fenstern
und Türen. Aber seine Gedanken für die Zukunft gehen
in Richtung Aufarbeitung von alten Fenster, Türen und Treppen.
Historische Bausubstanz, die saniert werden will, gibt die Region
genug her. Erste Visitenkarten, die zeigen, dass er gut macht,
was er denkt und anpackt, hat er bereits hinterlassen, beispielsweise
am Kirchenportal seines Heimatortes.
Stand: Jan. 2002
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