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Bundeswehr-Wirtschaft
Das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft ist ein Kooperationsprojekt im Wehrbereich II.

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Wirtschaft-Bundeswehr-Wirtschaft: Gemeinsam mit den Wehrdienstberatern zeigen wir Perspektiven in und nach dem Dienst in der Bundeswehr auf.
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zur Fach- und Führungkraft im Unternehmen durch arbeitsmarktgerechte Qualifikation – auch in neuen erfolgreichen Modellen.
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"Bei uns werdet ihr nicht nur älter, sondern reifer"

Im Gespräch mit Generalleutnant Rüdiger Drews,
Befehlshaber Heeresführungskommando Koblenz

Die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Handwerk und HwK Koblenz hat Tradition. Jüngster Ausweis dafür ist das Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk. Neue Berührungspunkte gibt es durch die Partnerschaftsprojekte in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo, mit denen die HwK den Aufbau wirtschaftlicher Selbstverwaltungsorganisationen und Berufsbildungseinrichtungen fördert. Während des Balkan-Kongresses der HwK im September 2000 (s. Handwerk special 77) referierte Generalleutnant Rüdiger Drews, Befehlshaber Heeresführungskommando, über die Situation in dieser Region:

Herr General, die Bundeswehr beteiligt sich im Rahmen von UN-Friedenstruppen an der "Festigung demokratischer Strukturen" in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo. Wie beurteilen Sie die Lage?

Ruediger Drews
Generalleutnant Rüdiger Drews: Offen im Dialog...

Die vertraglichen Grundlagen für den Einsatz von Streitkräften in beiden Ländern legen fest, dass wir den Aufbau von demokratischen Strukturen unterstützen. Der Hauptauftrag ist ein anderer - und glücklicherweise erfüllt. Wir haben in Bosnien-Herzegowina eine stabile Sicherheitssituation und im Kosovo eine Lage, die von Tag zu Tag besser geworden ist. Wir waren und sind vielseitig gefordert: Zerstrittene Parteien auseinander halten, sie zu einem Verhalten führen, das die Freiheit der Bewegung genauso sicher stellt wie die Achtung der Menschenwürde. Die praktische Arbeit sah so aus, dass wir u.a. die Polizei in Bosnien-Herzegowina überwachen und die UCK im Kosovo entwaffnen mussten. Wir sicherten die Grenzen, verhinderten Racheaktionen der Ethnien gegeneinander. Jetzt bleibt die wichtige Aufgabe der Abschreckung durch Präsenz. Durch unsere Anwesenheit wird Sicherheit gewährleistet; wären wir nicht da, würden die alten Zustände wieder ausbrechen.

Wir nehmen natürlich auch am zivilen Prozess, am Wiederaufbau der Länder teil. Hier liegt der eigentliche Bedarf, denn Demokratie ist kein Selbstzweck. Die Menschen gehen nicht dorthin, wo Demokratie versprochen wird, sondern wo ihre fundamentalen Grundbedürfnisse erfüllt werden. Das einzige fundamentale Grundbedürfnis, das bis jetzt im Kosovo erfüllt ist, ist das nach relativer Sicherheit.

Ruediger Drews
...bestimmt in der Sache.

Braucht die Bundeswehr für diese Einsätze Soldaten, die eher Handwerker oder Sozialarbeiter sind als Militärs?

Wir brauchen beides. Der Hauptauftrag ist und bleibt ein militärischer, nämlich ein gesichertes Umfeld. Daraus ergeben sich Berührungspunkte zu allen anderen Tätigkeiten. Der militärische Apparat hat eine unglaubliche Organisationskraft, die nie völlig ausgeschöpft wird, die aber für den Fall einer großen Auseinandersetzung da sein muss. Wir haben die Menschen, die Geräte - und mit ihnen die Führungsorganisation. Vor allem haben wir die individuell ausgeprägten Fähigkeiten jedes Einzelnen, u.a. aus seinem zivilen Beruf. Das Bildungs- und Ausbildungsniveau unserer Soldaten ist so hoch wie in keiner anderen Armee - das ist der Vorteil einer Wehrpflichtigen-Armee. Wir können alles abrufen, was an Fähigkeiten in unserer zivilen Gesellschaft vorhanden ist. Handwerker aus allen Sparten: Maurer, Elektroniker, Kfz-Techniker, Klempner... - und wir brauchen sie, auch für uns selbst: Bei Sarajewo, in Prizren oder Tetowo haben wir Ministädte aufgebaut mit allen Infrastrukturen, mit den eigenen Kräften.

Dieses Know-how übertragen wir in andere Bereiche, etwa bei der Vorbereitung der zerstörten Häuser auf den Winter oder bei der Wiedererrichtung von Schulen. Unsere Soldaten initiierten hier zahlreiche Einzelaktionen: Soldaten einer Patrouille bauen in ihrer Freizeit drei Familien ihre Häuser auf, weil in dieser Kampfkompanie eben Maurer und Zimmermann vorhanden sind.

Das spricht für eine hohe Motivation. Wie bereiten Sie die überwiegend jungen Menschen auf ihren Einsatz vor?

Die Soldaten melden sich freiwillig zu diesem Einsatz. Der eine, weil es eine Zulage gibt, andere aus Pflichtbewusstsein oder weil sie Qualitäten eines Überzeugungstäters entwickeln. Die Motivation fällt uns leicht: Soldaten sind immer dann besonders motiviert, wenn sie hart gefordert werden. Und der Soldat sieht, dass sinnvoll und notwendig ist, was er hier tut. Er weiß, dass er von der überwiegenden Mehrheit in Deutschland unterstützt wird. Der Deutsche Bundestag steht fast einstimmig hinter diesem Auftrag.

Wie empfinden die Menschen vor Ort die Präsenz ausländischer Truppen?

Durchweg positiv. Die Menschen aller Ethnien wissen, dass ihre nackte Existenz von der Anwesenheit der Soldaten abhängt. Im Fall der Deutschen kommt hinzu, dass wir uns den Ruf erworben haben, effektiv und zuverlässig zu sein. Selbst ich, der diese Armee gut kennt, bin immer wieder positiv überrascht von den Energien, die unsere Soldaten hier freisetzen. Der Wille zu helfen, die Möglichkeit, dem persönlichen Leben einen deutlichen Sinn zu geben, ist ein starker Motor für die Soldaten. Der Zusammenhang zwischen militärischem Auftrag, auf den wir sie ausbilden, und verhältnismäßig freier Entwicklung von Energien, an Ort und Stelle zu helfen, begründet bis jetzt wirklich eine Erfolgsgeschichte.

Gibt die zivile Dimension der militärischen erst die Rechtfertigung, den tieferen Sinn?

Beides gehört bei Friedensoperationen unbedingt zusammen. Der Ausgangspunkt für den Einsatz ist militärisch. Dieser Auftrag ist soweit fortgeschritten, dass er Kräfte freisetzt, die dem Soldaten das Gefühl geben, sich zusätzlich sinnvoll einzubringen. Eben nicht nur mit der Waffe für den Frieden zu sorgen, sondern sich am Aufbau und damit an der Bereinigung der Ursachen dieses Konfliktes zu beteiligen. Hier ist in der Praxis umgesetzt, was neuerdings als „miles protector" beschrieben wird: Der Soldat nicht nur als der verteidigende und kämpfende, sondern auch als der schützende.

Müsste die Qualifizierung des Zeitsoldaten über den BFD für die neuen Aufgaben nicht früher, also zu Beginn oder während des Dienstes ansetzen?

Wir greifen im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht auf Menschen in einem bestimmten Alter zurück, die unser gesellschaftliches Bildungssystem anbietet, bauen auf dem auf, was sie an Können mitbringen und setzen sie als Soldat in der Regel entsprechend ein. Bei den Pionieren beispielsweise finden Sie fast ausschließlich Handwerker. Daran schließt sich die Qualifizierung insbesondere des Zeitsoldaten für seinen zukünftigen zivilen Beruf an. Er muss ja wieder zurück in den Wirtschaftsbetrieb gehen. Er braucht, auch wenn er eine zivile Ausbildung hatte, die Starthilfe, denn draußen hat sich die Welt verändert. Viele machen während des Soldatseins ihren Meister und steigen dann wieder in ihren alten Beruf ein.

Von uns bekommt dieser Soldat zweierlei mit: Erstens eine begleitende Berufsausbildung, die aufbaut auf dem, was er mitgebracht hat - da hilft uns die Handwerkskammer sehr. Zweitens nimmt er ein enormes Wissen und einen Erfahrungsschatz in Sachen Menschenführung und Organisation mit. Der militärische Dienst, das intensive Leben in Hierarchien und Aufgaben prägt den Menschen außerordentlich stark. Führungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, alles, was man Schlüsselqualifikationen nennt, sind enorme Zugewinne, die man kaum messen kann, die aber im zivilen Bereich auch geschätzt werden. Die Auslandseinsätze geben noch einen zusätzlichen Schub, weil die Menschen dort enorm an Persönlichkeitsvolumen zulegen. Es kommt keiner so zurück, wie er hingegangen ist.

Das Handwerk ist also mit beteiligt an der zukünftigen Nachwuchssicherung der Bundeswehr...

Unbedingt. Dass wir das Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk jetzt organisatorisch und strukturell in Koblenz als Modell für andere angegangen sind und in der Anfangsphase schon mit gutem Erfolg praktizieren, holt nur nach, was längst hätte sein müssen. Wir sind Teil eines Systems und darin muss man die einzelnen Elemente in ihrem Zusammenwirken optimieren. Das Handwerk produziert uns - verkürzt ausgedrückt - fachliches Know-how bei den Menschen. Wir nehmen sie gerne, bilden sie hier weiter und erziehen sie zu starken Persönlichkeiten. Dann liefern wir sie Ihnen zurück für den Arbeitsmarkt: Leute vor allem für Führungsfunktionen, wie sie das Handwerk so nicht ohne weiteres bekäme. Das ist vor, während und nach der Bundeswehrzeit ein Geben und Nehmen, eine Unterstützung besonders im Rahmen der Angebote des Berufsförderungsdienstes. Wir haben hier eine ideale Lösung gefunden, wie ich sie in keiner anderen Armee und in keinem anderen Land sehe.

Wie sehen Sie die Umsetzung des Beratungszentrum Bundeswehr-Handwerk in der Truppe, welchen Stellenwert hat diese Kooperation für die Zukunft?

Man stelle sich vor, dass das, was hinter den Zahlen aus dem ersten Jahr steht, alles nicht passiert wäre; dann kann man ermessen, wie sinnvoll diese Maßnahmen sind - für beide Seiten, und das schon in der Anfangsphase. Das Beratungszentrum wurde mit großem Schwung aufgenommen, auch wenn es noch nicht im Bewusstsein aller Soldaten verankert ist. Auch unsere Personalführung muss immer wieder darauf gestoßen werden, und zwar rechtzeitig, dass hier eine hochqualifizierte Nachwuchsquelle ist, die die Freiwilligenwerbung unserer Zentren für Nachwuchsgewinnung ergänzt.

Das Handwerk bildet mehr Lehrlinge aus, als die Wirtschaft derzeit braucht. Wir sprechen hier von uns aus die Menschen über die Handwerkskammer an und sagen ihnen: Bei uns könnt ihr Soldat werden. Nah an eurem Beruf eingesetzt könnt ihr euch weiterqualifizieren. Bei uns werdet ihr nicht nur älter, sondern auch reifer, werdet eine stärkere Persönlichkeit. Und wenn ihr nach zwölf Jahren rausgeht, dann seid ihr immer noch jung genug und habt die Qualifikation zur Existenzgründung. Also: Es ist die ideale Zusammenführung nicht nur von Interessen sondern, auch bei der Wahrnehmung der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.

Es gibt Überlegungen, den Beruf des Soldaten zu zertifizieren, ihm damit eine Anerkennung zu schaffen. Das Handwerk hat der Wirtschaft und der Bundeswehr einen "Bildungspass Bundeswehr" vorgeschlagen, der aufschlüsselt, was ein Soldat in seiner Dienstzeit geleistet hat, um ihm Möglichkeiten für eine vorzeitige Anerkennung der Meisterprüfung oder bei Bewerbungen zu eröffnen.

Zertifizierung oder Bildungspass nützten dem Soldaten, weil sie das manchmal wenig transparente militärische System dem zivilen Arbeitgeber zugänglicher machten. Dem Soldaten selbst könnte das helfen, seine persönliche Fort- und Weiterbildung planvoller und systematischer anzugehen. Es käme dem Bild des Soldaten in der Öffentlichkeit entgegen und manches Vorurteil, das es auch in den Streitkräften gibt, könnte abgebaut werden. Das tatsächliche Berufsbild des Soldaten ist wesentlich differenzierter und anspruchsvoller, als man sich das in der Öffentlichkeit vorstellt.

Eine Frage an den Menschen hinter dem General: Wie haben Sie Weihnachten und den Jahreswechsel gefeiert?

Am 24. Dezember war ich in den Einsatzgebieten bei meinen Soldaten, erst im Kosovo und dann in Sarajewo. Wir versuchten so viele Einheiten wie möglich zu besuchen, um ihnen zu vermitteln, dass sie im Einsatzland nicht vergessen sind. Weihnachten ist für viele nicht nur ein kirchlicher Termin sondern auch ein Familienfest. Ich kann zwar nicht die Familie ersetzen, aber den Männern und Frauen sagen: Wir wissen, wie euch zumute ist. Denn die Trennung von der Familie ist die eigentliche Belastung.

Ihr persönlicher Wunsch mit Blick auf das Jahr 2001?

Eine drastische Verringerung unserer militärischen Beiträge im Einsatz, dass wir also deutlich weniger als 7.500 Mann stellen. Als Voraussetzung dafür wünschte ich mir eine größere Wirkung der politischen und wirtschaftlichen Anstrengungen, die Grundlagen in den Einsatzländern so zu verbessern, dass eine Verringerung der militärischen Einsätze möglich wird.

Stand: Jan. 2001

Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
Friedrich-Ebert-Ring 33, 56063 Koblenz
Tel.: 0261/ 398-165, Fax: 0261/ 398-934
E-Mail: presse@bundeswehr-wirtschaft.de

 
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