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"Phantasie und Initiative sind gefragt"

Im Gespräch mit dem Befehlshaber Heeresführungskommando,
Generalleutnant Axel Bürgener

Am 21. März übergab der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Gert Gudera, das Kommando über das Heeresführungskommando in Koblenz an Generalleutnant Axel Bürgener. Zuvor war der 57-Jährige Wehrbereichsbefehlshaber und Divisionskommandeur. Zwischen 1983 und 1999 weilte Bürgener in verschiedenen Verwendungen im Raum Koblenz, u.a. als Chef des Stabes Heeresführungskommando. Wir sprachen mit dem neuen Befehlshaber:

Gert Gudera - Axel Buergener
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Gert Gudera, unterstellte das Heeresführungskommando dem Befehl von Generalleutnant Axel Bürgener (r.).

Herr General Bürgener, Sie haben die Idee des Beratungszentrums Bundeswehr-Handwerk von Anfang an unterstützt und zählen sich zu seinen „Vätern". Wie beurteilen Sie die Entwicklung „Ihres Kindes" seit August 1999, als Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping dieses Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt hatte?

Ich erinnere mich wirklich gerne und gut daran. Dieses Kind hat - um im Bilde zu bleiben - eine sehr schnelle, ja stürmische Entwicklung genommen, vor allem aber eine erfolgreiche. Der Erfolg hat immer mehrere Väter. Die Initiative ging von der Handwerkskammer Koblenz aus. Ich selbst würde mich eher als „Patenonkel" betrachten. Wir haben beide, die Handwerkskammer und die Bundeswehr, Grund stolz zu sein.

Was ist für Sie das Bestechende an diesem Konzept?

Das Bestechende ist die Konkurrenzfreiheit und das Ziel, beiderseitigen Nutzen zu erzielen. Und das funktioniert! Nutzen für das Handwerk und die Betriebe, weil ihnen Kenntnisse über das Potenzial bei der Bundeswehr vermittelt wird, und umgekehrt für die Soldaten die erfahren, welche Möglichkeiten ihnen später das Handwerk und die Wirtschaft insgesamt eröffnen.

Sind diese Formen der Kooperation zwischen Bundeswehr und Wirtschaft in den Kasernen präsent, sind dem einzelnen Soldat seine Möglichkeiten aus dieser Kooperation bewusst?

Durch das Koblenzer Pilotprojekt angeschoben und auf der Basis des gesamten Reformwerks in der Bundeswehr - da ist die Zusammenarbeit mit dem Handwerk ein Kernelement - hat sich eine Menge bewegt. Ich weiß, dass das Thema heute viel intensiver, offensiver und vor allem initiativer aufgegriffen wird als früher.

Dennoch bleibt die Nachwuchsgewinnung für Bundeswehr und Wirtschaft hinter den Erfordernissen zurück. Wodurch kann der Personalkreislauf, die gegenseitige Unterstützung in der Nachwuchsgewinnung noch stärker gefördert werden?

Das Stichwort lautet für mich: Initiative! Wir müssen das Rad nicht neu erfinden; aber wir können und sollten versuchen, höhere Umdrehungen und damit eine höhere Kilometerleistung zu erreichen. Mit Blick auf die Initiative haben wir hier in Koblenz ein Muster entwickelt, an dem man sich orientieren kann, ja orientieren sollte. Ich denke aber auch an viele Initiativen aus der weiteren Region, die örtlich entstanden und nachahmungswürdig sind.

Ein Beispiel: In einer Instandsetzungseinheit in Homberg sind auf Initiative des Kompaniechefs arbeitslose Handwerker angesprochen und in der Instandsetzung beschäftigt worden. Sie haben durch ihre Arbeit einen Beitrag zum Ausrüstungsstand in der Bundeswehr geleistet und sich gleichzeitig ein höheres technisches Know-how und damit eine bessere Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt erworben.

Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Was wir aus meiner Sicht jetzt nicht mehr brauchen, sind Kooperationsverträge - das war eine guter Anschub -, was wir jetzt brauchen sind praktische Arbeiten, die Kooperation in der Praxis.

Die fachlichen und menschlichen Qualifikationen, die Soldaten auf Zeit im Rahmen ihres Dienstes bei der Bundeswehr erwerben, sind für Teile der Wirtschaft wenig transparent, Personalentscheider wissen oft nicht, welches Potenzial in ehemaligen Soldaten steckt. Wo sehen Sie Ansätze, um mehr Transparenz zu schaffen und ein zielorientiertes Personalmanagement für beide Seiten zu fördern?

Ich glaube, dass dies eine treffende Beurteilung ist. Ein Ansatz ist die Stellenbörse, die wir bereits im Intranet der Bundeswehr führen. Sie ist eine aktuelle Übersicht über alle sich abzeichnenden freien Dienstposten mit den Angaben zu den dafür benötigten Qualifikationen. Wir verwenden sie auch extern im Kontakt mit Bewerbern für den freiwilligen Dienst in der Bundeswehr. Meine Vorstellung geht dahin, dass wir dieses bewährte Mittel auch im Internet öffentlich machen und um eine Personalbörse ergänzen, die Soldaten und ihre in der Bundeswehr erworbenen Qualifikationen für die Wirtschaft darstellt.

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dieses Thema im Rahmen des Reformwerkes zur Neugestaltung der Bundesanstalt für Arbeit einmal eine Rolle spielt. Im neuen Vorsitzenden des Vorstandes der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, haben wir ja auch einen intimen Kenner der Bundeswehr.

Welchen persönlichen Wunsch richtet der General und Befehlshaber an die Adresse der Politik?

Ich habe mir zum Ziel gesetzt dazu beizutragen, dass wir unseren Einsatzauftrag und den im Heimatland erfüllen bei einem größtmöglichen Maß an Fürsorge für die Truppe. Das geht dann - und das ist mein Wunsch an die Politik -, wenn Auftrag und Mittel in Übereinstimmung gebracht werden. In der beschlossenen und begonnenen Bundeswehrreform sehe ich die geeignete Basis.

Stichwort Ausrüstung: Arbeiten und lernen die Soldaten mit dem bei der Bundeswehr eingesetzten Material das, was sie auch später in der gewerblichen Wirtschaft einsetzen können?

An diese Frage muss man sehr differenziert herangehen. Es gibt Bereiche, in denen wir an der Erneuerung des Materials arbeiten müssen. Im gleichen Atemzug müssen wir aber sagen, dass unsere Soldaten in den Einsatzgebieten so ausgestattet sind, dass sie einen Vergleich mit den Partnern nicht scheuen müssen. Im Gegenteil, hier marschieren wir an der Spitze des Fortschritts. Im Bereich der Informationstechnologie beispielsweise haben wir alle modernen Mittel verfügbar, die wir uns nur wünschen. In manchen Bereichen ist die Bundeswehr der Wirtschaft sogar voraus.

Und der Mensch Axel Bürgener: Wie verbringt er seine Freizeit?

Im Moment muss ich mir darüber wenig Gedanken machen. Die Zeit reicht gerade dazu, mich körperlich fit zu halten. Das mache ich mit Mountainbike - dabei hilft mir mein Hund - und Schwimmen. Und wenn es wieder ein paar freie Tage gibt, fahre ich mit meiner Frau in unser Ferienhaus an der Nordsee.

Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
Friedrich-Ebert-Ring 33, 56063 Koblenz
Tel.: 0261/ 398-165, Fax: 0261/ 398-934
E-Mail: presse@bundeswehr-wirtschaft.de

 
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