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Die Stärken des Bewerbers „Soldat“ herausarbeiten

Im Gespräch mit dem DBwV-Vorsitzenden Oberst Bernhard Gertz

Oberst Bernhard Gertz, Volljurist und Betriebswirt, ist Bundesvorsitzender des Deutschen BundeswehrVerbandes e.V. (DBwV), der Interessenvertretung der aktiven und ehemaligen Soldaten der Bundeswehr.

Gespräche mit Soldaten an der Basis: Oberst Bernhard Gertz besuchte das deutsche ISAF-Kontingent in Afghanistan. Foto: DBwV
Gespräche mit Soldaten an der Basis: Oberst Bernhard Gertz besuchte das deutsche ISAF-Kontingent in Afghanistan. Foto: DBwV
Dialog mit der militärischen Führung (v.l.): DBwV-Bundesvorsitzender Oberst Bernhard Gertz mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr General Wolfgang Schneiderhan und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Oberstabsbootsmann Wolfgang Schmelzer. Foto: DBwV
Dialog mit der militärischen Führung (v.l.): DBwV-Bundesvorsitzender Oberst Bernhard Gertz mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr General Wolfgang Schneiderhan und dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Oberstabsbootsmann Wolfgang Schmelzer. Foto: DBwV
Dialog mit der Politik (v.l.): Oberst Bernhard Gertz mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung. Foto: DBwV
Dialog mit der Politik (v.l.): Oberst Bernhard Gertz mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung. Foto: DBwV

Zum Ende des Jahres wird er in den Ruhestand versetzt und sein Amt als Vorsitzender des DBwV abgeben, das er seit Oktober 1993 bekleidet. Y-BERHOLSPUR.DE sprach mit ihm über die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Worin liegen die konkreten Aufgaben des Deutschen BundeswehrVerbandes?

Der Deutsche BundeswehrVerband ist seit dem 14. Juli 1956 die unabhängige Einheits- und Spitzenorganisation zur Vertretung der allgemeinen, ideellen, sozialen und beruflichen Interessen aller aktiven und ehemaligen Soldaten, ihrer Familienangehörigen und Hinterbliebenen. Er vertritt deren Interessen gegenüber Parlament, Regierungen und Öffentlichkeit. So beteiligen beispielsweise Bundestag und -regierung den DBwV als Spitzenorganisation der Soldaten, wenn es um gesetzliche Regelungen geht, die Belange von Soldaten und deren Angehörigen berühren. Der DBwV ist eine überparteiliche und finanziell unabhängige Institution mit zurzeit mehr als 200.000 Mitgliedern, die in rund 900 Truppenkameradschaften vor Ort organisiert sind.

Im Sommer 1999 wurde die Rahmenvereinbarung zwischen dem Bundesverteidigungsministerium und der Wirtschaft über die Förderung der Zusammenarbeit in der beruflichen Qualifizierung und Beschäftigung unterzeichnet. Mittlerweile gibt es einen breiten politischen Konsens über diese Kooperation. Sie gehören ebenfalls zu den Befürwortern. Warum?

In der Bundeswehr gibt es zurzeit rund 250.000 Soldaten, davon 130.000 Soldaten auf Zeit (SaZ). Sie stellen die größte Gruppe neben den Berufssoldaten und Grundwehrdienstleistenden. Mit einem Verpflichtungszeitraum von zwei bis zu 20 Jahren versehen sie ihren Dienst in allen Laufbahnen und Dienstgraden, die aufgrund der zeitlichen Voraussetzung möglich sind. Zu dem Aufgabenspektrum des DBwV gehören somit auch die besonderen Belange der SaZ, die sich während, am Ende und nach der Dienstzeit auf die Eingliederung in das zivile Berufsleben vorbereiten müssen.

Seit Sommer 1999 begleiten wir durch den Landesverband West als Gründungsmitglied die Kooperation zwischen Bundeswehr, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Unternehmen der Wirtschaft in der Region Koblenz. Zu diesem Schritt haben wir uns entschieden, weil wir im Sinne unserer Mitglieder die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Wirtschaft mitgestalten wollen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Weg der Eingliederung der SaZ zu begleiten, insbesondere durch verbandspolitische Initiativen und gezielte Informationsvermittlung. Es gilt, jedem Mitglied des DBwV im Status SaZ eine sinnvolle, der fachlichen und arbeitsmarktgerechten Qualifikation des einzelnen SaZ entsprechende Eingliederung in die zivile Berufswelt sicherzustellen.

Es ist uns ein Anliegen, gegenüber der Wirtschaft die Vorzüge der SaZ als künftige Arbeitnehmer herauszuarbeiten. Die ausscheidenden Soldaten haben sich im Laufe ihrer militärischen Tätigkeit Stärken angeeignet. Zunächst lässt sich feststellen, dass sie Erfahrungen in einer großen Organisation sammeln konnten. Sehr häufig werden sie sehr früh mit einer hohen materiellen Verantwortung und Führungsaufgaben gegenüber anderen Soldaten betraut. Dabei spielt die Teamorientierung eine große Rolle. Durch die in der Bundeswehr herrschende Auftragstaktik sind Soldaten es gewohnt, entscheidungsorientiert und zielorientiert zu handeln: Aufträge werden erfüllt! Kerneigenschaften wie Disziplin, insbesondere die Selbstdisziplin, Loyalität, Pünktlichkeit, hohes Engagement, Durchhaltefähigkeit, Belastbarkeit, Lernbereitschaft und starke soziale Kompetenz runden das Bild der Stärken des potenziellen Bewerbers „Soldat“ ab.

Unser Anliegen ist es nun, den SaZ zielgerichtet unter Berücksichtigung der dargestellten Vorzüge auf dem Arbeitsmarkt zu platzieren. Dabei sind wir als DBwV im Sinne des Informationsaustausches bereit, als Plattform zwischen allen Beteiligten, also den Soldaten, dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) und der Wirtschaft, zu fungieren. Diese Notwendigkeit haben wir erkannt und bauen dieses Angebot zurzeit im DBwV aus.

Unter Ihrer Leitung hat sich der DBwV aktiv in die Zusammenarbeit mit dem Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft in Koblenz (BzBwWi) eingebracht, der Landesverband West gehört dessen Beirat an. Was hat die bereits fast zehn Jahre dauernde Beteiligung bewirkt?

Der DBwV will mit seinem Engagement in dem Projekt „Bundeswehr und Wirtschaft“ den Mitgliedern den Slogan „Wir sind für unsere Mitglieder da“ begreifbar machen und ihnen den Weg für eine Zukunft nach der Bundeswehr erleichtern. Es werden gemeinsame Veranstaltungen des DBwV und des Beratungszentrums etwa in Form von SaZ-Standorttagen durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit ist der Informationstransfer und die Zusammenarbeit in Vorhaben, die der zivilberuflichen Eingliederung der ausscheidenden SaZ in die Wirtschaft dienen.

Ferner spielen aktuelle, arbeitsmarktgerechte Aus-, Fort- und Weiterbildungen für die SaZ, die deren fachlicher Qualifikation entsprechen, eine entscheidende Rolle zur Sicherung ihrer zivilberuflichen Eingliederung. Es kommt also darauf an, so Arbeitslosigkeit auszuschließen. Das ist die Bundeswehr ihren Zeitsoldaten schuldig. Zu den bestehenden Versorgungsleistungen der Berufsförderung leisten wir in Zusammenarbeit mit dem Beratungszentrum eine wirtschaftsnahe Beratungs- und Informationsarbeit. Die angebotenen sehr guten Aus- und Fortbildungen der kooperierenden Kammern haben bereits vielen SaZ den Weg in die berufliche Zukunft geebnet.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Kooperation zwischen Bundeswehr und Wirtschaft für die Nachwuchsgewinnung und Nachwuchssicherung der Streitkräfte?

Aufgrund der zeitlich befristeten Dienstverhältnisse der SaZ hat die Bundeswehr einen hohen Regenerationsbedarf. Dieser liegt bei jährlich 20.000 Soldaten. Zielsetzung der Streitkräfte muss es sein, weiterhin qualifizierte Bewerber für die Bundeswehr zu gewinnen. Dabei darf es nicht zu Qualitätsverlusten kommen, damit die Aufgabenerfüllung der Streitkräfte und das hohe Ansehen der Bundeswehr – besonders in der Gesellschaft und bei den anderen Streitkräften – weiterhin gewährleistet bleibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Berufssoldaten aus dem Bestand der SaZ gewonnen werden. Nachwuchsgewinnung ist „Pflichtaufgabe“ aller Angehörigen der Bundeswehr. Interne und externe Personalgewinnung stellen keine Konkurrenzsituation dar, sondern haben ein Ziel: die Bedarfsdeckung.

Natürlich besteht zwischen Bundeswehr und Wirtschaft auch eine Konkurrenzsituation am Arbeitsmarkt. Jedoch sollte man versuchen, gemeinsame Wege zu gehen, gepaart durch einen ehrlichen und offenen Umgang miteinander. Mit Sicherheit gibt es junge Menschen, die durch die Wirtschaft ausgebildet werden und zunächst nicht langfristig in dieser beschäftigt werden können. Gleiches gilt natürlich auch im Umkehrschluss: Die Bundeswehr bildet zivil oder im soldatischen Bereich aus und stellt nach einer bestimmten Zeit ihre „Beschäftigten“ wieder frei. Für diese jungen Menschen könnte die Bundeswehr bzw. im Umkehrschluss die Wirtschaft ein potenzieller Arbeitgeber sein. In dieser konkreten Situation dient eine enge Kooperation einem schnellen Informationsaustausch. So können unter anderem auch Kosten eingespart werden.

Ende des Jahres werden Sie Ihr Amt als Vorsitzender des DBwV abgeben. Ihr Nachfolger steht mit Oberstleutnant Ulrich Kirsch bereits fest. Was geben Sie ihm, aber auch allen Soldaten in der Kooperation von Bundeswehr und Wirtschaft mit auf den Weg?

Die Antwort möchte ich knapp und militärisch formulieren: Weitermachen!

Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft
Friedrich-Ebert-Ring 33, 56063 Koblenz
Tel.: 0261/ 398-165, Fax: 0261/ 398-996
E-Mail: presse@bundeswehr-wirtschaft.de

 
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