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Den Schutzbegriff weiter fassen

Generalleutnant Wolfgang Otto zu den Auslandseinsätzen seiner Soldaten

Das Heer als „Kompetenzzentrum für Landoperationen“ habe sich erfolgreich zum „Heer im Einsatz“ gewandelt und in dieser Aufgabe bewährt, so der Befehlshaber des Heeresführungskommandos (HFüKdo) in Koblenz, Generalleutnant Wolfgang Otto.

Generalleutnant Wolfgang Otto
Generalleutnant Wolfgang Otto
Truppenbesuch in Afghanistan: Generalleutnant Wolfgang Otto im Gespräch mit Soldaten der Außenstelle des Provincional Reconstruction Teams in Taloqan etwa 70 km östlich von Kunduz. Foto: PIZHeer
Truppenbesuch in Afghanistan: Generalleutnant Wolfgang Otto im Gespräch mit Soldaten der Außenstelle des Provincional Reconstruction Teams in Taloqan etwa 70 km östlich von Kunduz. Foto: PIZHeer
Truppenbesuch in Afghanistan: Generalleutnant Wolfgang Otto auf dem Transportpanzer Fuchs mit dem Kommandanten der Schutzkräfte bei Feysabad. Foto: PIZHeer
Truppenbesuch in Afghanistan: Generalleutnant Wolfgang Otto auf dem Transportpanzer Fuchs mit dem Kommandanten der Schutzkräfte bei Feysabad. Foto: PIZHeer

Dabei verkenne er nicht, dass sein Verantwortungsbereich seit Jahren durch den Transformationsprozess in großen Herausforderungen stehe. General Otto: „Ich muss sicherstellen, dass meine Soldaten im Einsatz bestehen, ohne dabei ihre Kernfähigkeiten für unseren Verteidigungsauftrag zu Hause aus dem Blick zu verlieren.“ Beispiel: Ein Panzermann sichert für vier Monate in Afghanistan das deutsche Feldlager und fährt Patrouille; im Grundbetrieb muss er aber in erster Linie seinen Panzer zu bedienen verstehen.

Um dies sicherzustellen, werden die drei dem HFüKdo unterstellten mechanisierten Heeresdivisionen ab dem Jahr 2009 ein Rotationsprinzip beginnen. Nur eine Division entsende demnach für den Zeitraum eines Jahres Soldaten für jeweils gut vier Monate in die Einsatzgebiete. Dieses Prinzip erhöhe die Planungssicherheit seiner Soldaten enorm, erklärte der Drei-Sterne-General. Neben der Klarheit über folgende Einsatzzeiträume entzerre diese Struktur auch die Belastung durch ausreichend einsatzfreie Zeiten.

Einblicke vor Ort

Ende Oktober besuchte der Befehlshaber das Land am Hindukusch, um sich ein originäres Bild über die Einsatzvorbereitung und -durchführung sowie die Sicherheitslage in Afghanistan zu verschaffen. Dabei war ihm wichtig zu erfahren, wie die Kameraden mit der Erfahrung von Bedrohung, Verwundung und Tod umgehen. „Die Vorgesetzten und ihre Soldaten rücken zusammen. Sie entwickeln ein familiäres Verhältnis, das einerseits die gegenseitige Fürsorge, andererseits die militärischen Anforderungen trägt“, zieht er gegenüber Y-BERHOLSPUR.DE ein positives Fazit.

Nachdem in den zurückliegenden Monaten bei Selbstmordanschlägen drei deutsche Soldaten gefallen und mehr als zehn zum Teil schwer verwundet worden sind und einzelne Stimmen sich kritisch zu Schutzmaßnahmen und -ausrüstung geäußert hatten, stellt General Otto klar: „Unseren Soldaten steht als Ausrüstung das Beste zur Verfügung, das der Markt anbietet!“ Am Beispiel neu auf die Einsatzanforderungen hin entwickelter Splitterschutzbrillen macht er deutlich, dass das deutsche Produkt zwar vielleicht nicht so schick sei wie das amerikanische, dafür aber sehr wirkungsvoll. Es stehe letztlich aber in der Verantwortung des einzelnen Soldaten, die Schutzausrüstung tatsächlich zu nutzen.

Vertrauen aufbauen

Der Befehlshaber ergänzt, dass die Bundeswehr die für neue Einsatzbedingungen erforderliche Ausrüstung umgehend beschaffe und beispielsweise derzeit ein kompaktes gepanzertes Fahrzeug für enges, unwegiges Gelände im Hochgebirge entwickele. „Das ist so auf dem Weltmarkt nicht verfügbar!“ Gleichzeitig wirbt er für einen weiter gefassten Schutzbegriff, der sich am Auftrag orientiert. „Wir wollen ein Land befrieden, wir sind keine Besatzer. Wir müssen den Kontakt mit den Menschen pflegen, um Vertrauen aufzubauen. Wenn wir zur Vorbereitung der Wahlen im Herbst 2009 mit Kommunalvertretern sprechen, können wir dazu nicht mit dem Panzer vorfahren. Schutz für unsere Soldaten bedeutet auch, dass sie als Partner und Freunde gesehen werden.“

Denn der militärische Anteil am Gelingen der Mission in Afghanistan betrage nur zwanzig Prozent, so General Otto, während der Gesamterfolg davon abhänge, dass neben dem Wiederherstellen der Sicherheit auch das Justizwesen, eine zuverlässige afghanische Polizei, das Verwaltungswesen und die Infrastruktur aufgebaut werden. Deshalb wirbt er für eine konzentriertere Zusammenarbeit aller am Hindukusch engagierten Ministerien (Verteidigungs-, Außen- und Innenministerium sowie das für Zusammenarbeit und Entwicklung) und Hilfsorganisationen, die Fördergelder empfangen. Th. Au/mg

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